Kulturelle Unterschiede | Cultural Differences

Hochzeit und Kinder | Getting married and having kids

English version below

Noch nie wurde ich in meinem bisherigen Leben so oft danach gefragt, ob ich verheiratet bin und Kinder habe, wie hier in Gambia. Noch mehr Nachdruck erhält die Frage, wenn ich Personen mein Alter verrate. Mir wird immer wieder gesagt, dass Frauen es schwer haben einen Mann zu finden, wenn sie erst einmal über 30 Jahre alt sind. Aus diesem Grund versuchen die meisten Frauen zu heiraten bevor sie 30 sind. Aufgrund dessen, dass der Großteil der gambischen Bevölkerung muslimisch ist, ist es außerdem weit verbreitet und “normal”, dass ein Mann mehr als eine und bis zu vier Frauen heiratet. Mir wurde erzählt, dass das nach dem Koran erlaubt ist, solange er jede seiner Frauen in allen Belangen gleichermaßen und gut befriedigen kann. Ich habe mich mit vielen Frauen unterhalten und mir wurde gesagt, dass sie das als normal ansehen und selbst Frauen in meinem Alter haben mir gesagt, dass sie sich durchaus vorstellen könnten auch die zweite oder dritte oder vierte Frau eines Mannes zu werden. Trotzdem habe ich auch von einigen Frauen in meinem Alter gehört, dass sie sich wünschen die einzige Frau ihres künftigen Ehemannes zu sein.

Nach der Ehe zieht das frisch verheiratete Paar meist auf den Compound (Zusammenschluss mehrerer Gebäude, wo Familien meist generationsübergreifend und nicht nur als Kernfamilie, sondern auch mit Tanten, Onkels, etc. zusammenleben) der Familie des Mannes und lebt dort, oder gründet ein neues Zuhause. Außerdem ist das Thema Kinder bekommen nach der Hochzeit ein großes. In Gambia wird auf den Compounds in extended Families (erweiterten Familien, wie oben beschrieben) zusammen gelebt und Kinder spielen dabei eine große Rolle. Die Frage, ob eine Frau Kinder haben möchte wird nicht gestellt, sondern es wird angenommen, dass Frauen Kinder bekommen möchten. Außerdem begegnen Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gründen keine Kinder bekommen können vielen Stigmen. Sie wird sehr oft als “schlechte Ehefrau” betitelt, die nicht in der Lage ist ihrem Mann Kinder zu schenken und muss in vielen Fällen damit rechnen, dass sich der Ehemann scheiden lässt, oder zumindest eine weitere Frau heiratet. Kinder spielen im Leben in extended Families eine sehr zentral Rolle, da sie die Altersvorsorge der Community sind und dafür sorgen, dass die eigene Familie weiterhin existiert. Außerdem arbeiten Kinder, hauptsächlich Mädchen, schon sehr früh im Haushalt mit. Aber auch bei der Garten-/Feldarbeit oder beim Verkauf auf dem Markt werden die Kinder oftmals eingespannt. Kinderarbeit ist leider immer noch ein verbreitetes Phänomen hier in Gambia. (Zwar gibt in manchen Sektoren, vor allem dem öffentlichen Sektor, auch eine Altersabsicherung durch den Staat, allerdings kenne ich mich in diesem Bereich leider nicht gut aus. Von allem was ich bisher berichtet bekommen habe werden diese Renten nicht verlässlich ausbezahlt).

Hier in Gambia ist es von dem, was ich erfahren und gehört habe ganz normal, dass Kinder von der gesamten Familie gemeinsam erzogen werden. Oftmals erziehen sogar hauptsächlich die Großeltern die Kinder der eigenen Kinder, wenn diese arbeiten gehen. Außerdem kommt es regelmäßig vor, dass Kinder nicht mit ihren leiblichen Eltern, sondern einem anderen Familienmitglied, z.B. der Tante leben und von dieser erzogen werden. Das kommt vor allem dann vor, wenn das Kind der*die Namensvetter*in der Person ist, die das Kind aufnimmt und erzieht.

Die genannten Zusammenhänge spiegeln sich auch im Aufbau der gambischen Gesellschaft wieder. Die Altersstruktur hier in Gambia ist mit einem Durchschnittsalter von 17,2 Jahren (Wert aus dem Jahr 2023)² sehr jung und die Geburtenrate mit durchschnittlich 4,5 Kindern pro Frau² sehr hoch.

Never have I been asked whether I am married and have children as often as here in The Gambia. The question is even raised in a more serious manner when I am telling people my age. I am frequently told that it is hard for a woman to find a husband once she reaches the age of 30 years. Thats why women here in The Gambia told me that they always try to get married before 30. Since most of the Gambian population are muslims it is common for men to marry up to four wives simultaneously. I was told that according to Quran this is allowed for a man when he is able to sustain all his families well and equally. I was talking to many women and was told, even by women of my own age, that they can imagine being the second, third of fourth wife of teir future husband. Still, I also heard from women my age that they wish to be their future husband’s only wife.

After getting married the freshly married couple is mostly moving in to the compound (a cluster of several buildings where families usually live together across generations, not only as core family, but also with aunts, uncles, etc.) of the husband’s family or starts a new home. Furthermore, having children is an important aspect after getting married. In The Gambia it is common to live at the compounds as extended families with children playing an essential role. The question, if a woman wants to have children is not raised but it is rather assumed that all women want to be mothers. Moreover, women who for any reasons can not have children are mostly stigmatised and pointed at as “bad wives” who are not able to deliver children for their husbands. They mostly have to deal with their husbands seeking for devorce or at least marrying another wife. Children play a very central role in extended families, as they are the community’s retirement provision and ensure that the family continues to exist. Furthermore, children, mainly girls, take over household chores from a very early age on. However, children are also often involved in gardening/field work or selling at the market. Unfortunately, child labour is still a widespread phenomenon here in The Gambia. (Although some sectors, especially the public sector, also have a pension scheme provided by the state, I can not say much about that as I am unfortunately not very familiar with this. Still, from everything I have been told so far, these pensions are not frequently paid out).

Here in The Gambia, from what I have experienced and heard, it is very normal for children to be brought up by the whole family. Often it is even mainly the grandparents who raise their own children’s kids when they have to go to work. It also regularly happens that children do not live with their biological parents, but with another family member, e.g. their aunt, and are brought up by her. This is particularly the case if the child is the namesake of the person who it lives with.

The mentioned circumstances are also reflected in the structure of the Gambian society. The average age here in The Gambia is 17.2 years (data from 2023)² and the birth rate is very high with an average of 4.5 children per woman².

² Quelle/Source: https://www.worldometers.info/demographics/gambia-demographics/