Menstruation

English version below

In meinem letzten Blogeintrag habe ich bereits angekündigt, dass ein Eintrag zum Thema Periode im Ramadan folgen wird. Diesen würde ich gerne erweitern und grundsätzlich das Thema Menstruation diskutieren. Über das Thema Menstruation wird hier in Gambia noch immer wenig gesprochen und es ist noch immer stigmatisiert (übrigens ist das in vielen Ländern der Fall, auch in Deutschland).

Ein gutes Beispiel für die gesellschaftliche Randstellung des Themas hier in Gambia habe ich vor ein paar Wochen erhalten. Ich habe mich gemeinsam mit einer Kollegin auf einen Workshop mit einer Schulklasse, zum Anlass des internationalen Tages der Menstruationshygiene, vorbereitet. Dafür habe ich Plakat gestaltet und Anschauungsmaterial vorbereitet. Während dessen kam ein Mann in unserem Büro vorbei und hat mich gefragt, was ich vorbereite.

Das habe ich ihm erklärt und schnell kamen wir auf das Thema Menstruation in der Gesellschaft zu sprechen. Meiner Meinung nach ist das Thema Menstruation kein reines Thema der menstruierenden Person, sondern geht die gesamte Gesellschaft etwas an. In unterschiedlichster Hinsicht, es bedarf Präsenz, Bewusstsein, erschwingliche Menstruationsprodukte und Aufklärung darüber, was während der Periode im Körper der Menstruierenden vorgeht. Nur so kann die Gesundheit von menstruierenden Personen verbessert und gewahrt werden. Er war in dem Punkt anderer Meinung und benannte die Möglichkeit eines muslimischen Mannes bis zu vier Frauen zu heiraten als Grund dafür, dass die Menstruation einer seiner Frauen “deren Thema” ist und der Mann sich in der Zeit bei seiner/seinen anderen Frau/en aufhalten kann. Ich möchte an dieser Stelle klar betonen, dass es sich hierbei um die Meinung einer Einzelperson handelt und mir sehr bewusst ist, dass diese keinesfalls von allen muslimischen Männern geteilt wird. Trotzdem hat mich die Aussage schockiert. Wir haben noch eine Weile gesprochen und ich habe ihm klar vermittelt, dass es meiner Meinung nach in einer Ehe nicht “rein MEINE oder rein DEINE Probleme” geben sollte, sondern man sich unterstützen sollte. Außerdem konnte ich es mir nicht nehmen lassen ihm etwas mehr Wissen über den weiblichen Zyklus und den Zusammenhang zwischen Menstruation und Schwangerschaft zu vermitteln.

Ein weiteres Beispiel, das ich gerne nennen möchte nehme ich immer wieder wahr, wenn ich Binden hier in Gambia kaufe. Diese werden immer möglichst schnell verpackt, damit sich die Kundin nicht bloßgestellt fühlt und möglichst wenige Personen sehen, dass die Kundin gerade Menstruationsprodukte kauft. Das Unbehagen von Menschen, die Menstruationsprodukte kaufen, nehme ich übrigens auch in Deutschland immer wieder wahr und es ging mir als Teenagerin ehrlich gesagt ganz ähnlich. Doch wieso ist das eigentlich so? Dabei ist die Menstruation etwas total normales! Wir müssen endlich aufhören Mädchen und Frauen das Gefühl zu geben, dass sie sich dafür schämen müssen, alleine mit ihren Emotionen und den körperlichen Auswirkungen ihrer Periode klarkommen müssen, oder sie gar etwas unnormales, oder unreines ist!

Auch während des Ramadan wurde mir die Nichtsichtbarkeit und Stigmatisierung der Menstruation in der Gesellschaft klar. Während eine Person menstruiert ist das Fasten im Ramadan zu unterbrechen (die Tage werden im Anschluss an den Monat “nachgeholt”). Immer wieder habe ich jedoch von Frauen in meinem Umfeld gehört, dass sie trotz dessen teilweise den gesamten Tag über nicht gegessen und getrunken haben, weil sie sich den ganzen Tag über in Gesellschaft aufgehalten haben. Während Frauen untereinander kein Problem damit haben, das Fasten zu brechen und zu kommunizieren, dass sie ihre Periode haben ist Scham oftmals der Grund dafür das nicht in Anwesenheit von männlichen Personen zu tun. Das führt dann dazu, dass Frauen im Ramadan quasi “weiter fasten”, oder zumindest über die Zeitdauer, in welcher sie sich in männlicher Gesellschaft befinden nichts zu sich nehmen, obwohl sie menstruieren. Nachdem ich in diesem Jahr Ramadan bei den in Gambia vorherrschenden Temperaturen miterleben durfte und die Auswirkungen des Fastens (wenn auch nur des Fastens von Essen) auf den Körper gespürt habe, empfinde ich dieses Phänomen wirklich als erschreckend. Bei täglich über 30 Grad mit Sonne, langen Fußwegen, da noch lange nicht jede Familie in Gambia mobil ist und den hormonellen und körperlichen Auswirkungen der Periode auf den Körper und die Psyche, hätte ich mir persönlich nicht vorstellen können weiterhin nicht zu essen, geschweigen denn zu trinken. Es bedarf mehr Präsenz und Aufklärung und vor allem eine Veränderung in der Einstellung der Gesellschaft zum Thema Menstruation – nicht nur hier in Gambia, sondern auch in Deutschland und Europa und in allen Teilen der Welt, in welchen Menstruation noch immer ein Grund dafür ist, dass sich menstruierende Personen unwohl, ausgeschlossen oder in irgendeiner Art und Weise stigmatisiert fühlen. Ich bin froh, dass ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen bei The Girls’ Agenda dazu beitragen kann junge Menschen über das Thema Menstruation aufzuklären und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass menstruieren etwas ganz normales und ein Zeichen von Gesundheit ist.

Already in my last blog entry I announced that another entry on the topic of menstruation in Ramadan would follow. Still, I would like to take this article to discuss menstruation in a broader scope. Here in The Gambia menstruation is still kind of a taboo topic and facing huge stigma. (By the way this is also still the case in many other countries, with Germany being one of those.)

One good example for the marginal position of the topic of menstruation in the Gambian society was given to me just some weeks ago, when I was preparing a workshop for the the menstrual hygiene management commemoration at my workplace. We were planning to visit a school, having a discussion with school girls about menstruation in general and menstrual hygiene. For this workshop I was preparing wall papers and other materials, when a man was entering in our bureau asking me what I am preparing.

I explained it to him and quickly we ended up discussing menstruation in society. In my opinion, the topic of menstruation is not just an issue for the menstruating person, but concerns the society as a whole. In many different ways, it requires presence, awareness, affordable menstrual products and education about what goes on in the body during the period. This is the only way to protect and improve the health of menstruating persons. The guy was having a different opinion on that matter and explained to me that from his perspective the opportunity for muslim men to marry up to four wives kind of prevents them from dealing with the issue of menstruation since men can spend the time when one wife is menstruating at another wifes house. I am very much aware, that this reflects a single opinion and with no means is shared by all muslim men. Nevertheless, I was very much shocked about this statement. We talked for some more time and I cearly told him that in my perspective getting married implies that there are no longer “purely MY or YOUR problems” but instead people support each other. Moreover, I could not resist the opportunity to tell him a little more about the female cycle and the connection between menstruation and pregnancy.

Another example that I want to mention is the situation when buying menstrual products. These are most often quickly removed from the desk and packed into a bag so that the buyer, who is (almost) exclusively female does not feel ambarrased with other people noticing what she buys. By the way, I often experience the discomfort of people who buy menstrual products in Germany too, and to be honest, I know the feeling from my teenage years. But why is it this way? Menstruation is the most normal thing in this world. We must finally stop giving girls and women the feeling that they have to feel ashamed, that they have to deal with their emotions and the physical effects of their period on their own or that it is something abnormal or impure!

Also during Ramadan the invisibility and the stigmatization of menstruation in the society was obvious. Whilst menstruating the fast has to be broken (and the days will be made up afterwards). Still, I frequently heard from women that they do not eat or drink sometimes for the whole day when they are busy and surrounded by people. Whilst most women have no problem breaking the fast and communicating to each other that they are on their period, shame is often the reason for not doing so in the presence of men. This leads them to basically continue their fast at least for the time which they spend in company though fasting. After participating in Ramadan in The Gambia this year and experiencing the high temperatures and the implications that fasting (even though only the fasting of food) has on the own body I feel shocked by the phenomenon of females not consuming food and water during their periods because societal assumptions make them feel ashamed. Experiencing more than 30 degrees daily, walking long distances because not everyone is mobile in The Gambia and the hormonal and physical effects associated with the period, I can not imagine stay fasting. More presence, information and most importantly a change in attitude within the society towards menstruation – not just in The Gambia but also in Germany and Europe and everywhere in the World where menstruation is still a reason for people to feel marginalized, unsecure, excluded and stigmatized, is needed. I am glad, that I am able to deliver sessions on menstruation and menstrual hygiene together with my colleagues from The Girls’ Agenda to raise awareness and make clear that menstruation is something totally normal and a sign of good health for the menstruating person.


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